Wichtig und undurchsichtig
Fusionsabteilung
Financial Times Deutschland
Die Stadt hat sich dazu eine Art Konzernstruktur gebastelt. Bei Freytag laufen die Fäden zusammen. Unter ihm arbeiten zwei Ämter. Das eine kümmert sich um Immobilien, das andere um Beteiligungen. Ideen für Deals entwirft Freytag zusammen mit dem langjährigen Leiter des Amts für Beteiligungsmanagement, Rainer Klemmt-Nissen, und bespricht sie dann mit Wirtschaftssenator Gunnar Uldall und Bürgermeister Ole von Beust. Klemmt-Nissen kommt die Aufgabe des kühlen Analytikers zu. "Das Amt für Beteiligungsverwaltung arbeitet wie die Fusionsabteilung eines Großunternehmens. Die wissen genau, was sie wollen, und agieren unter rein sachlichen Aspekten", sagt Marius Berenbrok, Leiter des deutschen Fusionsgeschäfts der Sozietät Freshfields Bruckhaus Deringer.
Wenn die Hamburger Stadtspitze als Investor aktiv werden will, schaltet sie ihre Truppe mit dem etwas hölzernen Namen HGV Hamburger Gesellschaft für Vermögens- und Beteiligungsmanagement ein. Formal ist die HGV eine Konzernholding für einen Großteil der Beteiligungen der Stadt mit mehr als 15.000 Beschäftigten. Das verschafft ihr eine exzellente Bonität und enorme Finanzkraft. Die 13 Spezialisten agieren im Hintergrund. Ihre Büros unweit des Rathauses versprühen den Charme der 80er-Jahre, es geht sehr ruhig und bedächtig zu. Einen Internetauftritt gibt es nicht. "Das kennzeichnet die Vertraulichkeit des Auftretens", sagt Andreas Reuß, einer der beiden Geschäftsführer.
Aber wenn Reuß einen Rettungsplan der Politik am Finanzmarkt umsetzen muss, wird aus dem früheren Leiter der Grundsatzabteilung Steuerpolitik und Einkommensteuer der Hansestadt ein knallharter Portfoliomanager. "Wir machen das, was jeder Investor auch macht: Wir rechnen durch, ob es sich wirtschaftlich rechnet." Den Daumen heben oder senken müssen dann Freytag und von Beust.
(Anmerkung: Ein ziemlich einmaliger Vorgang das der Aufsichtsratsvorsitzende dem Vorstand Handlungsweisen diktiert und über diese entscheidet!)
Die Motivation der beiden ist simpel: die Angst vor Abwanderung. "Wir müssen sicherstellen, dass gut funktionierende Unternehmen ihre Zentrale in Hamburg behalten", sagt Freytag. Die Gewerbesteuer stellt eine wichtige Einnahmequelle dar. Zudem ist die Furcht, Hamburg könne einen Imageverlust davontragen, groß.
Die Stadt hat schlechte Erfahrungen gemacht. Versicherer wie die Hamburg-Mannheimer werden inzwischen von der Münchener-Rück-Tochter Ergo und damit aus Düsseldorf gesteuert. Der regionale Energieversorger ging an Vattenfall und damit nach Schweden. Solch ein "Asset", wie Freytag sagt, würde man inzwischen nicht mehr komplett aus der Hand und damit aus der Stadt geben.
Bei der Norddeutschen Affinerie (NA) lief es etwas geradliniger: Dass sich der Streit zwischen dem Management und dem österreichischen Investor Mirko Kovats zuspitzte, machte die Behörde am Gänsemarkt hellhörig. Ihr Schreckensszenario: Kovats fusioniert die Norddeutsche Affinerie mit einem ausländischen Konzern, verlegt die Zentrale und später noch viel mehr an irgendeinen Ort der Welt - futsch sind Arbeitsplätze, Steuern.
Manchmal muss die Stadt nicht einmal selbst eingreifen. Als der französische Schiffszertifizierungskonzern Bureau Veritas Ende 2006 den Hamburger Konkurrenten Germanischer Lloyd kaufen wollten, wurde die politische Führung Hamburgs unruhig. Den Preis von rund 500 Mio. Euro hätte sie sicher aufbringen können. Aber eine komplette Verstaatlichung wäre dann doch etwas zu viel gewesen.
Es fand sich auch so eine Lösung. Günter Herz, Ex-Chef und Großaktionär des Tchibo-Konzerns und seit Jahren mit Ex-Finanzsenator Peiner gut bekannt, griff zu. Den Aufsichtsrat des Germanischen Lloyd führt heute - Wolfgang Peiner.
Räte
Das "Amt" des Klemmt-Nissen
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